Brachpieper-Projekt

Das „Projekt zur Förderung des Brachpiepers (Anthus campestris) und weiterer gefährdeter Tier- und Pflanzenarten der Sandheiden im FFH- und EU- Vogelschutzgebiet „Nemitzer Heide“ – im folgenden kurz „Brachpieper-Projekt“ genannt, beinhaltete drei Förderphasen in den Jahren von 2008 bis 2013. Entstanden ist das Projekt nicht zuletzt durch die alarmierenden Ergebnisse aus der Auswertung von Daten des 2008 verstorbenen Biologen Dr. Frank Neuschulz und seiner intensiven Studien zur Populationsökologie des Brachpiepers in der Nemitzer Heide seit 1983.

Im Jahr 2007 galt der Brachpieper in ganz Niedersachsen als ausgestorben – bis auf das letzte Vorkommen in der Nemitzer Heide. Aber auch hier gingen die Bestände seit 1986 kontinuierlich zurück. Besetzte die seltene Vogelart anfangs noch bis zu 66 Reviere auf der ehemaligen Brandfläche, so schrumpfte die Population bis 2002 auf unter 10 Reviere.

Der Steppen- und Halbwüstenbewohner ist auf große, zusammenhängende Offenlandflächen angewiesen, die zudem einen großen Anteil freier Sandflächen aufweisen. Einerseits verlor die Art durch Wiederaufforstung größere Gebiete, zusätzlich wuchsen immer mehr Sand- und Offenlandflächen zu. Die Schafbeweidung in den übriggebliebenen Heideflächen reichte augenscheinlich nicht aus, um die für den Brachpieper lebensnotwendigen Biotope zu erhalten.

Innerhalb des von der EU, dem Land Niedersachsen und dem Landkreis Lüchow Dannenberg geförderten „Brachpieper-Projekts, dessen Träger der Naturpark Elbhöhen-Wendland ist, wurden seit 2008 umfangreiche Maßnahmen im FFH- und EU-Vogelschutzgebiet Nemitzer Heide durchgeführt. Dabei wurden in ehemalig besetzten Brachpieper-Revieren Sandflächen wieder freigestellt, Heide wurde in besonders stark zugewachsenen Flächen verjüngt und ihre Struktur aufgelockert. Zusätzlich wurden insgesamt 16,6 ha Kiefernstangenforst an mehreren Stellen im Vogelschutzgebiet abgeholzt, um ehemals zusammenhängende Brutbiotope wieder miteinander zu vernetzen.

So entstanden für den hauptsächlich am Boden lebenden Brachpieper typische offene, mosaikartig mit Sandflächen strukturierte Biotope, in denen sich auch die von ihm bevorzugte Nahrung (Heuschrecken und weitere an Sandboden angepasste Insektenarten) wieder in ausreichender Anzahl ansiedeln konnten. Weitere bedrohte Arten der trockenen Sandheiden, wie der Steinschmätzer, der Wiedehopf, das Schwarzkehlchen und der Raubwürger, aber auch Schlingnatter, Kreuzotter, Eidechsen, Heuschrecken und zahlreiche weitere Insektenarten profitieren von diesen Maßnahmen. Auch durch die FFH-Richtlinie geschützte Biotope werden mit den Maßnahmen gefördert.

Nach drei Projektphasen sind die Flächen nun „bezugsfertig“, beste Voraussetzung für den Brachpieper in der Nemitzer Heide. Ziel ist ein Anstieg der Brachpieper-Population auf 10 bis 20 Brutpaare.

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